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Mein Kind macht Hausaufgaben nur, wenn ich daneben sitze: Wie Sie sich schrittweise zurückziehen, damit es allein arbeiten kann

Links steht ein Kind neben einem orangefarbenen Schreibtisch mit aufgeschlagenem Buch; nach rechts stehen drei Stühle immer weiter entfernt, die ersten beiden weiß, der am weitesten entfernte rot, daneben steht ein Erwachsener.

Ihr Kind setzt sich an die Hausaufgaben, und mit Ihnen daneben geht die Arbeit voran. Sobald Sie aufstehen, um das Abendessen zu kochen, liegt der Stift wieder auf dem Tisch. Dann kommt „Mama, wie geht diese Aufgabe?“ oder ein langer Blick aus dem Fenster. Viele Eltern von Kindern im Alter von etwa 6 bis 10 Jahren kennen diese Szene gut.

Dass Ihr Kind allein arbeitet, heißt nicht, dass Sie eines Abends einfach aufstehen und es allein lassen. Sanfter ist es, sich schrittweise zurückzuziehen, in kleinen Schritten, damit Ihr Kind Zeit hat, sich daran zu gewöhnen. Dieser Artikel beschreibt vier konkrete Stufen und ein paar einfache Absprachen, die dabei helfen.

Warum Ihr Kind Sie dabeihaben möchte

Es ist ganz normal, dass Kinder beim Arbeiten gern einen Elternteil in der Nähe haben. Das ist weder Faulheit noch schlechtes Benehmen. Meist spielen mehrere Gründe zusammen:

  • Anfangen fällt schwer. Etwas zu beginnen, worauf man keine Lust hat, ist oft das Schwierigste. Wenn ein Erwachsener dabeisitzt, kommt Ihr Kind leichter durch die ersten Minuten.
  • Angst vor Fehlern. Ihr Kind möchte, dass jemand jede Antwort prüft, bevor es zur nächsten geht.
  • Gewohnheit. Seit der Einschulung saß immer jemand dabei. Anders hat es das nie ausprobiert.
  • Der Wunsch nach Nähe. Der Abend ist eine der wenigen Zeiten, in denen die Familie zusammen ist, und die Hausaufgabenzeit gehört dazu.

Wer die Gründe kennt, kann besser entscheiden, wie er sich zurückzieht. Ein Kind, das Angst vor Fehlern hat, braucht einen klaren Plan, wann Sie kontrollieren. Ein Kind, dem das Anfangen schwerfällt, braucht Sie für die ersten Minuten, bevor Sie sich entfernen.

Vier Stufen des Zurückziehens

Bleiben Sie je nach Kind etwa eine Woche auf jeder Stufe. Wenn eine Stufe noch wackelt, bleiben Sie länger dort.

Stufe Wo Sie sind Was Sie tun
1 Neben Ihrem Kind Lesen Sie die Aufgabe gemeinsam, dann lassen Sie Ihr Kind arbeiten. Nur zuschauen: nicht zum Stift greifen und nicht sofort verbessern
2 Gegenüber am selben Tisch Beschäftigen Sie sich mit etwas Eigenem, etwa Lesen oder Schreiben. Wenn Ihr Kind fragt, antworten Sie mit einer Frage, die es weiterführt
3 In einer Ecke des Zimmers Sie sind noch im Raum, aber weiter weg. Ihr Kind ruft Sie erst, wenn ein Abschnitt fertig ist
4 In einem anderen Zimmer Sie kommen erst, wenn Ihr Kind sagt, dass es fertig ist, und sehen sich die Arbeit gemeinsam an

Stufe 2 ist für Eltern oft die schwierigste, denn Sie sind nah genug, um zu helfen, sollen es aber nicht. Bringen Sie etwas Eigenes zu tun mit, damit Hände und Augen beschäftigt sind. Wenn Ihr Kind sieht, dass Sie Ihre eigene „Arbeit“ machen, fällt es ihm leichter, zur Ruhe zu kommen.

Sagen Sie Ihrem Kind vor dem Wechsel zur nächsten Stufe Bescheid: „Diese Woche sitze ich noch am Tisch, aber auf der anderen Seite, und lese.“ Wenn Ihr Kind mitentscheiden darf, an welchem Tag es weitergeht, fühlt es sich einbezogen statt zurückgelassen.

„Ruf mich nach drei Aufgaben“

Kinder rufen oft immer wieder, weil sie nicht wissen, wann sie es dürfen. Eine klare Vereinbarung löst das:

  • Teilen Sie die Arbeit in kleine Stücke. „Ruf mich, wenn du drei Aufgaben geschafft hast“ ist viel leichter als „Ruf mich, wenn alles fertig ist“. Klappt das, steigern Sie auf fünf Aufgaben, dann auf eine ganze Seite.
  • Halten Sie Ihren Teil der Abmachung. Wenn Ihr Kind zum vereinbarten Zeitpunkt ruft, kommen Sie sofort. Muss es warten, ruft es beim nächsten Mal vorsichtshalber früher.
  • Verabreden Sie, was bei Hängern passiert. Ist eine Aufgabe schwer, markiert Ihr Kind sie, macht mit der nächsten weiter und fragt bei der nächsten Kontrolle danach. So sitzt es nicht wartend da und gibt auch nicht auf.
  • Nutzen Sie bei Bedarf einen Timer. Für jüngere Kinder ist eine Sanduhr oder ein Zehn-Minuten-Timer leichter zu verstehen als eine Zahl von Aufgaben.

Wenn Sie hinkommen, schauen Sie zuerst, was Ihr Kind allein geschafft hat, und erst dann auf Fehler. Bleiben Sie konkret: „Du hast vier Aufgaben allein gelöst, bevor du mich gerufen hast.“

Alles so vorbereiten, dass Ihr Kind allein zurechtkommt

Kinder rufen oft aus Gründen, die mit der Aufgabe nichts zu tun haben: kein Radiergummi, Durst, Unsicherheit, was als Nächstes kommt. Ein wenig Vorbereitung verringert solche Rufe:

  • Ein gut bestückter Platz. Bleistifte, Radiergummi, Lineal, Schmierpapier und ein Glas Wasser liegen bereit.
  • Eine Liste für die Hausaufgabenzeit. Schreiben Sie zwei oder drei Aufgaben auf ein Blatt. Ihr Kind hakt jede ab, wenn sie erledigt ist.
  • Mit dem Leichten beginnen. Eine Aufgabe, die gleich gelingt, gibt Ihrem Kind Schwung für den Rest.
  • Ihr Kind wiederholt die Aufgabe, bevor Sie sich zurückziehen. „Was sollst du bei dieser Aufgabe machen?“ Wenn es das erklären kann, ist es bereit, allein zu arbeiten.

Wenn Ihr Kind sich wehrt oder zurückfällt

  • An schweren Tagen eine Stufe zurückgehen. Ein neues Thema, ein müder Abend, morgen eine Klassenarbeit: Etwas näher zu sitzen ist in Ordnung. Am nächsten Tag machen Sie dort weiter, wo Sie waren.
  • Gemeinsames Sitzen nicht als Belohnung oder Strafe einsetzen. Vermeiden Sie „Wenn du nicht brav bist, setze ich mich nicht mehr zu dir.“ Ihr Kind soll wissen, dass Sie sich zurückziehen, weil Sie ihm vertrauen, nicht weil Sie sauer sind.
  • Nähe auf andere Weise geben. Wenn Ihr Kind Zeit mit Ihnen möchte, schenken Sie ihm nach den Hausaufgaben zehn Minuten Vorlesen oder Plaudern. Ist dieses Bedürfnis erfüllt, muss die Hausaufgabenzeit es nicht mehr tragen.
  • Wenn Ihr Kind sehr ängstlich wirkt. Gerät es jedes Mal in Panik oder weint lange, wenn Sie gehen, oder hält das an und beeinträchtigt den Alltag, sprechen Sie mit der Lehrkraft oder einer qualifizierten Fachperson.

Auch die Rätselzeit kann eine Übung im selbstständigen Arbeiten sein. Jede neue Rätselart in Dologi hat einen eigenen Erklärbildschirm, sodass Ihr Kind selbst lernen kann, wie sie funktioniert, und es allein ausprobiert. Sie müssen sich am Ende nur gemeinsam alles noch einmal ansehen.

Kurz gesagt

  • Dass Ihr Kind bei den Hausaufgaben jemanden in der Nähe möchte, ist normal; ziehen Sie sich schrittweise zurück, nicht auf einmal.
  • Vier Stufen: neben dem Kind, gegenüber am Tisch, in einer Ecke des Zimmers, in einem anderen Zimmer; je etwa eine Woche, je nach Kind.
  • Die Vereinbarung „Ruf mich nach drei Aufgaben“, die auch Sie einhalten, verringert ständiges Rufen.
  • Bereiten Sie Platz und Aufgabenliste vor und gehen Sie an schweren Tagen eine Stufe zurück.

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