„Wie war's in der Schule?" „Gut." „Was habt ihr gemacht?" „Nichts." Viele Eltern kennen dieses Gespräch auswendig. Oft liegt es nicht am Kind, sondern an der Frage: Sie lässt sich mit einem Wort beantworten. Offene Fragen laden Kinder ein, zu erklären, sich etwas vorzustellen und Gründe zu nennen. So werden ganz alltägliche Momente zu kleinen Denkgelegenheiten.
Was eine Frage offen macht
Eine geschlossene Frage hat eine kurze oder genau eine richtige Antwort: „Hat es Spaß gemacht?" „Welche Farbe ist das?" Eine offene Frage hat viele mögliche Antworten und verlangt Nachdenken: „Was war am schönsten, und warum?"
Geschlossene Fragen sind auch nützlich. Aber ein paar offene Fragen am Tag geben Kindern Übung darin, etwas zu erklären, sich etwas auszumalen und Dinge von einer anderen Seite zu sehen.
30 Fragen für den Alltag
Das sind Anregungen zum Einstieg. Passen Sie die Worte an Ihr Kind und an die Situation an.
Am Esstisch
- Was war heute das Schönste, und warum?
- Was war heute schwierig?
- Wem hast du heute geholfen, oder wer hat dir geholfen?
- Worüber hast du dich heute gewundert?
- Wenn du zu diesem Essen eine Sache dazutun dürftest, was wäre das?
- Wenn du morgen kochen würdest, was gäbe es, und wie würdest du es machen?
Unterwegs
- Wofür wird dieses Gebäude wohl benutzt? Woran erkennst du das?
- Wenn du an diesem Spielplatz eine Sache ändern könntest, welche wäre das?
- Wohin fahren wohl all diese Autos?
- Welche Geräusche hörst du, und woher kommen sie?
- Wie sah diese Straße wohl vor langer Zeit aus?
- Wie könnten wir noch nach Hause kommen?
Vor dem Schlafengehen
- Worüber hast du heute gelacht?
- Wenn du einen Tag lang die Fähigkeit eines Tieres hättest, welche würdest du wählen?
- Was möchtest du morgen ausprobieren?
- Worauf bist du diese Woche stolz?
- Was machen deine Spielsachen wohl in der Nacht?
- Wenn du irgendjemandem eine Frage stellen dürftest, wem, und was würdest du fragen?
Beim Spielen und Basteln
- Was baust du gerade? Wie geht es weiter?
- Wenn wir keinen Kleber haben, was könnten wir stattdessen nehmen?
- Wie könntest du es höher, stabiler oder schneller machen?
- Was würde passieren, wenn wir eine Regel dieses Spiels ändern?
- Wie könnte man diese Sachen noch sortieren?
- Was war knifflig, und wie hast du es gelöst?
Mit Büchern und Geschichten
- Warum hat die Figur das wohl getan?
- Was hättest du an ihrer Stelle gemacht?
- Wie wird die Geschichte wohl ausgehen?
- Wie wäre die Geschichte anders, wenn sie bei uns im Ort spielen würde?
- Mit welcher Figur wärst du gern befreundet, und warum?
- Wenn du der Person, die das Buch geschrieben hat, eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
Nachfragen, wenn die Antwort kurz ist
Die erste Antwort ist oft kurz. Eine freundliche Nachfrage öffnet sie:
- „Erzähl mir mehr davon."
- „Wie kommst du darauf?"
- „Woher wusstest du das?"
- „Was noch?"
- „Und was würde dann passieren?"
Wenn die Antwort „Weiß nicht" lautet
- Kurz warten. Zählen Sie im Kopf bis fünf. Nachdenken braucht Zeit.
- Zwei Möglichkeiten anbieten. „War es morgens schöner oder nachmittags?"
- Selbst zuerst antworten. „Das Schönste an meinem Tag war, dass ich direkt vor der Tür einen Parkplatz gefunden habe."
- Eine kleinere Frage stellen. „Neben wem hast du beim Mittagessen gesessen?"
- Später noch einmal fragen. Viele Kinder erzählen im Auto, in der Badewanne oder kurz vor dem Einschlafen mehr als direkt nach der Schule.
Was oft im Weg steht
- Zu viele Fragen hintereinander. Ein oder zwei gute Fragen fühlen sich wie ein Gespräch an. Zehn fühlen sich wie eine Prüfung an.
- Jede Antwort korrigieren. Offene Fragen haben nicht die eine richtige Antwort. Hören Sie erst zu, bevor Sie Ihre Sicht ergänzen.
- Nur nach Schulergebnissen fragen. Fragen nach Ideen, Gefühlen und Vorstellungen regen mehr zum Denken an als „Hast du es richtig gemacht?"
Kurz gesagt
- Offene Fragen haben viele mögliche Antworten und laden Kinder zum Erklären und Ausmalen ein.
- Ein paar offene Fragen beim Essen, unterwegs, vor dem Schlafen und beim Spielen reichen.
- Kurze Antworten lassen sich mit „Erzähl mir mehr" oder „Wie kommst du darauf?" öffnen.
- Geben Sie Zeit, Auswahlmöglichkeiten und ein eigenes Beispiel, wenn die Antwort „Weiß nicht" lautet.
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